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Zurück in die Zukunft mit Tim

Mein Name ist Tim. Ich bin Schüler der Oppenheim-Schule in Berlin. Ich habe bis jetzt drei Mal beim Boys'Day mitgemacht. Die ersten zwei Male habe ich einfach bei den Einrichtungen nachgefragt, wo ich selbst einmal, meistens von Pädagoginnen, betreut worden war: eine Kita und eine Schulstation. Auf Anraten meines jetzigen Sozialpädagogen, Herrn Gregor Stach, habe ich mich beim dritten Mal von meinen eigenen Wurzeln gelöst und habe das Angebot des ersten Bundesdeutschen Boys'Days angenommen. Ich ging in eine Seniorenresidenz. Das gab mir die Möglichkeit doch ganz bei mir zu bleiben, denn ich möchte auch mal so ein Alter erreichen. Aber um ehrlich zu sein: leichte Bauchschmerzen hatte ich schon dabei.

Die diesjährigen Zettel für die Unterrichtbefreiung und Teilnahmebestätigung am Boys'Day waren bunter als in den Jahren zuvor. Richtig neu aber war für mich erst die Tatsache dass die anderen Bezirke der Stadt sowie andere Bundesländer noch nie einen Boys'Day hatten. Wie ich später erfahren habe, geschah das auf Betreiben der jetzigen Familienministerin, Frau Kristina Schröder. Für uns Charlottenburger hat sich dadurch fast nichts geändert. Businness as usual. Fast. Wir bekamen nämlich mehr Formulare, die wir ausfüllen und von den Eltern unterschreiben lassen mussten, nämlich verschiedene Medienfreigaben für die Fotos und Filme zum Zweck der öffentlichen Nutzung.

Bundesfamilienministerin Schröder mit Jungen am Boys'Day

Am Boys'Day zog ich mir meine besten Klamotten an, um einen guten Eindruck bei den Senioren zu machen. Nur das hat überhaupt nichts genützt, weil wir unseren eigenen Fummel gleich zum Auftakt des Tages ablegen mussten. Wir bekamen stattdessen frisch gewaschene weiße Dienstkleidung. Es war ein wenig so, als würden wir Theater spielen. Ich dachte schon, wir würden in Frauenrollen versetzt werden und müssten Unmögliches vorspielen. Dem war aber nicht so.

Wir wurden männlichen Betreuern zugeteilt und wurden von ihnen begleitet. Sie hatten die gleichen weißen Arbeitsklamotten wie wir. Außerdem hatten wir unsere Pausen und Mahlzeiten mit Ihnen in getrennten Räumen verbracht und konnten alles in Ruhe reflektieren. Das Gefühl von unserer Sonderstellung in dem Haus festigte sich mit der Zeit immer mehr. Männersache halt. Das gleiche betraf die Kontakte zu den Senioren, die keine Außerirdischen sondern nett, humorvoll und interessiert an uns waren. Was wir am Boys'Day in der Senioreneinrichtung machten unterschied sich im Wesentlichen nicht von den Aufgaben in den Kitas oder Schulstation: Tischspiele spielen, reden und einen netten Umgang miteinander pflegen.

Doch ganz so ruhig ist es an dem Tag nicht geblieben. Gegen Mittag kamen Journalisten mit Ihren Kameras und gingen gleich in Stellung. Dann haben alle auf die Familienministerin gewartet. Ich rechnete mit einer Frau, die mindestens so alt ist wie unsere Senioren. Stattdessen kam eine Frau, die nur etwas älter war als wir. Sie hat sich mit allen unterhalten. Auch mit uns Schülern. Das war Frau Kristina Schröder, unsere Familienministerin. Ich merkte gleich, dass sie Farbe bekennt. Ihr Sakko und Bluse waren nämlich auch weiß, genau wie unsere Kittel. Nur ihre Hose erinnerte an die Holzwerkstatt, aber sie musste noch zu den Mädchen hin wegen des Girls Day. Ich war sehr überrascht und glücklich, eine so hochrangige Politikerin zu treffen. Ein norwegischer Politiker hatte sie begleitet. Ich vermute, dass er eine solche Aktion, wie den Boys'Day in Norwegen einführen möchte. Ich schätze, die norwegischen Schüler würden sich freuen, einen Boys'Day zu haben.

Die Nacht konnte ich lange nicht einschlafen. Ich verfolgte am Abend zunächst alle Nachrichten und wollte mich und die Familienministerin wieder sehen. Leider vergebens. Ich schlief sehr schlecht. Ich träumte von Frau Schröder. Wir spielten Mensch ärgere dich nicht zusammen.


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